Jana Decker im ausführlichen Interview

Aktuell verletzte Offensivspielerin spricht u.a. über die bisherige Spielzeit und den Teamspirit
Artikel vom 28. Januar 2026
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VON LUKAS KELP.
Ihr habt die Hinrunde in der Verbandslinga Südbaden auf dem zweiten Tabellenplatz abgeschlossen. Wie fällt dein Gesamtfazit nach den zehn absolvierten Partien aus?
„Ich glaube wir haben alle in der Liga überrascht. Wir sind eine sehr junge und talentierte Mannschaft, die sich vor allem in der Hinrunde mit viel Teamgeist auf dem Platz ausgezeichnet hat. Das wir über die Winterpause auf dem 2. Platz der Verbandsliga stehen, macht uns alle unfassbar stolz. Wir haben eine starke Hinrunde gespielt, müssen aber trotzdem noch an vielem Arbeiten. Bei dem ein oder anderen Spiel lag das Glück auf unserer Seite und genau diese Partien wollen wir in der Rückrunde deutlich für uns entscheiden. Gerade am Anfang mussten wir einige verletzte Spielerinnen kompensieren und unsere Neuzugänge schnell integrieren. Wir sind aber schnell als Mannschaft zusammengewachsen und haben gemeinsam unser Ziel verfolgt. Wenn wir weiterhin an uns arbeiten und unser volles Potenzial ausschöpfen, ist in der Rückrunde noch alles möglich.“
Der Abstand auf den Aufstiegsplatz beträgt aktuell lediglich drei Punkte, bei einem Spiel mehr auf dem Konto als Zähringen. Welche Maßnahmen und Schwerpunkte wollt ihr in der Rückrunde setzen, um möglichst nochmal im Aufstiegsrennen mitzumischen?
„Wir wollen da weiter machen wo wir aufgehört haben und so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Die drei Punkte auf Zähringen sind nicht viel und wir wollen sie in der Rückrunde nochmal herausfordern. Dazu müssen wir die Winterpause sinnvoll nutzen und erst mal regenerieren, weil die Hinrunde sehr intensiv war. Ab dem Vorbereitungsstart sind dann alle wieder voll motiviert und fokussiert. Wir wollen so viele Punkte wie möglich mitnehmen und im direkten Duell gegen Zähringen nochmal alles geben.“
Die letzten drei Spiele vor der Winterpause konnten allesamt gewonnen werden. Wie erklärst du dir diesen Erfolg und welche Faktoren haben deiner Meinung nach den größten Einfluss gehabt?
„Wir haben als Team zusammengehalten und hatten ein Ziel vor Augen gehabt, dies hat man auf dem Feld gemerkt. Auch in etwas schwierigeren Phasen hat trotzdem jedes Teammitglied 100% gegeben. Wir haben in jedem Training eine sehr hohe Teilnehmerzahl, man merkt das alle Spielerinnen sich beweisen möchten.“
Ende Januar startet ihr in die Wintervorbereitung. Welche „Hausaufgaben“ stehen für das Team und den Trainerstab konkret auf dem Programm, um bestmöglich in die verbleibenden Saisonspiele zu gehen?
„Wir wollen an unseren Stärken anknüpfen und gleichzeitig an unseren Schwächen arbeiten. Vieles hat in der Hinrunde nicht so geklappt wie wir es uns vorgestellt hatten und wir haben es uns selbst schwer gemacht, da wir oft nicht unser volles Potenzial ausschöpfen konnten. Aber auch viele Einzelspieler konnten noch nicht ihr ganzes Können ausschöpfen. Wenn wir die Wintervorbereitung gemeinsam angehen und noch mehr auf dem Platz als Mannschaft zusammenwachsen, dann bin ich mir sicher ist noch viel möglich. Wir sind aber ein großer Kader wo jede Akteurin spielen möchte, das ist vielleicht für den ein oder andere im Team noch mehr Ansporn im Training Vollgas zu geben.“
Für dich persönlich lief die bisherige Hinrunde äußerst ernüchternd, aufgrund einer hartnäckigen Verletzung konntest du unglücklicherweise keine Partie absolvieren. Was sind deine Ziele für die Rückrunde und was hat dich in dieser schweren Zeit am meisten motiviert?
„Leider habe ich mich in der Sommervorbereitung verletzt. Für die Rückrunde steht für mich deshalb zunächst im Vordergrund, wieder vollständig fit zu werden, da ich aktuell noch nicht bei 100 % bin. Ich werde alles daransetzen, die Mannschaft so schnell wie möglich wieder auf dem Platz unterstützen zu können. Sobald ich wieder fit bin, möchte ich vor allem mit Freude spielen und meine bestmögliche Leistung abrufen. Unser gemeinsames Ziel ist es, den zweiten Tabellenplatz zu verteidigen und Zähringen weiterhin unter Druck zu setzen – dafür müssen wir als Team alles geben. In dieser schwierigen Phase haben mich besonders die Mannschaft und das Trainerteam motiviert. Ich liebe es, mit dem Team auf dem Platz zu stehen, und freue mich sehr darauf, bald wieder gemeinsam auf dem Feld zu sein.“
Du gehst mittlerweile in deine dritte Saison im Trikot des SC Sand. Was zeichnet den Verein für dich besonders aus und warum fühlst du dich hier so wohl?
„Die Stimmung im Verein ist sehr familiär, man fühlt sich von Anfang an willkommen und gut aufgehoben. Besonders innerhalb der Mannschaft herrscht ein enger Zusammenhalt – jeder unterstützt den anderen. Auch das Trainerteam steht immer hinter uns, gibt Rückhalt und zeigt viel Wertschätzung.“
Die Verbandsliga Südbaden hat ihren ganz eigenen Charakter und gilt als anspruchsvolle Spielklasse. Was macht diese Liga für dich speziell – sowohl sportlich als auch in Bezug auf Intensität und Niveau?
„Dazu kann ich leider nicht viel sagen, weil ich noch kein Spiel in dieser Runde absolviert habe. Die Liga hat viele starke und erfahrene Teams dabei, die seit Jahren in der Verbandsliga spielen. Da fehlt uns in dem ein oder anderen Spiel als junge Mannschaft die Erfahrung. Aber natürlich hat man auch von außen gemerkt, dass das Spiel schneller und das Niveau höher ist. Gerade mit Zähringen als Oberliga-Absteiger spielt eine sehr starke Mannschaft in der Liga.“
Hast du dir bereits Gedanken über deine sportliche Zukunft gemacht, wenn ja, wie sehen deine Pläne über den Sommer hinaus aus?
„Über die kommende Saison habe ich mir bisher noch keine konkreten Gedanken gemacht. Ich bin sehr glücklich, Teil dieser Mannschaft zu sein und verstehe mich auch mit dem Trainerteam bestens. Für die nächste Runde steht für mich klar im Fokus, verletzungsfrei zu bleiben und mein volles Potenzial abzurufen – daran möchte ich weiterarbeiten. Wichtig ist mir vor allem, mit Freude Fußball zu spielen, ohne zu viel nachzudenken, sondern einfach meinem Spiel zu vertrauen. Ich möchte mich fußballerisch weiterentwickeln und dabei Spaß haben. Aktuell bin ich sehr zufrieden und fühle mich im Verein wohl. Wie es für mich im Sommer weitergeht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das hängt natürlich auch davon ab, ob sich im Umfeld etwas verändert, sei es in der Mannschaft oder im Trainerteam. Stand jetzt gibt es für mich jedoch keinen Grund, über einen Wechsel nachzudenken.“
Wie beginnst du deinen Tag am liebsten?
„Das ist schwierig zu sagen, am liebsten würde ich morgens in meinem warmen Bett liegen bleiben, weil ich ein absoluter Langschläfer bin. Ich finde aber Musik gibt mir morgens direkt Energie und bessere Laune. Was ich aber auch ganz schön finde, ist morgens einen kleinen Spaziergang zu machen, dann startet man schon viel besser in den Tag rein.“
Auf welcher Position spielst du am liebsten und warum?
„Inzwischen habe ich – mit Ausnahme der Innenverteidigung und des Torwarts – nahezu alle Positionen gespielt. Bei den Jungs hat mir besonders die Sechserposition gefallen, da man dort viele Zweikämpfe führen und das Spiel nach vorne lenken konnte. Aktuell sehe ich mich jedoch am liebsten in der Offensive, vor allem auf dem Flügel als Außenstürmer. Dort kann ich meine Schnelligkeit optimal einsetzen und gezielt ins Eins-gegen-eins gehen.“
Was war dein schönster Moment auf dem Spielfeld?
„Da gibt es tatsächlich einige besondere Momente. Ganz oben steht natürlich der Aufstieg in die Verbandsliga im vergangenen Jahr. Nach einer intensiven Saison diesen Erfolg gemeinsam als Mannschaft zu erreichen, war ein unbeschreibliches Gefühl. Sowohl im Hin- als auch im Rückspiel war die Atmosphäre einfach überragend. Ein weiteres Highlight war die Vizemeisterschaft in der B-Jugend, die wir uns am letzten Spieltag im direkten Duell gegen Lichtental mit einem hart erkämpften 1:0-Heimsieg sichern konnten. Ein ganz besonderer Moment war zudem, dass ich bereits mit 16 Jahren bei den Frauen in Obersasbach im Bezirkspokalfinale auf dem Platz stehen durfte.“
Welcher Sportler oder Verein hat dich in der Kindheit am meisten inspiriert?
„Einen Sportler gab es bei mir nicht so richtig. Mein Heimatverein der SV Sasbach kann man sagen hat mich inspiriert. Ich habe dort sehr viel gelernt und den Spaß am Fußball gefunden. Umso schwerer war der Abschied für mich, als ich nicht mehr mit den Jungs spielen durfte. Ich habe bis heute noch eine sehr enge Verbindung zum SVS und schaue gerne am Wochenende den Herren zu und darf die Kleinsten im Verein bei ihren ersten Schritten zum Fußball begleiten.“
Wie bist du zum Fußball gekommen?
„Ich bin quasi auf dem Sportplatz aufgewachsen. Mein Bruder hat selber Jahre lang beim SV Sasbach Fußball gespielt und mein Papa war dort Trainer, deshalb war ich als kleines Kind schon immer auf dem Fußballplatz und hab dann relativ früh angefangen zu spielen. Bei uns hat sich früher in der Familie schon alles um den Fußball gedreht.“
Was machst du gerne, wenn du nicht auf dem Feld stehst?
„Wenn ich nicht auf dem Feld stehe, verbringe ich am liebsten meine freie Zeit mit meiner Familie und mit meinen Freunden. Durch mein Sportstudium mache ich auch außerhalb vom Fußball sehr viel Sport und probiere da auch gerne neue Dinge aus. Trotzdem dreht sich dann weiterhin viel um den Fußball - So schaue ich sonntags gerne den Herren in Sasbach zu oder trainiere die Kleinsten beim SV Sasbach. In der Winterpause nutze ich die Zeit am liebsten mit dem Skifahren, was ich schon seit klein auf mache. Ich liebe einfach das Gefühl die beschneiten Pisten runterzufahren und einfach alles drum herum zu vergessen. Und wenn dann noch irgendwie Zeit ist, muss ich dann ab und zu auch noch für die Uni lernen.“
Was war dein unangenehmster Moment auf dem Platz?
„Mein unangenehmster Moment war wohl mein zweites Spiel für Sand – ausgerechnet gegen meinen ehemaligen Verein, den SV Obersasbach. Gegen den alten Klub anzutreten, hat sich für mich von Anfang an sehr ungewohnt und komisch angefühlt. Dazu kam, dass ich rund 80 Minuten auf der Bank saß und mich dann nur wenige Minuten nach meiner Einwechslung direkt am Sprunggelenk verletzt habe. Ich glaube, jeder Fußballer kennt dieses Gefühl: Gegen den Ex-Verein zu spielen, dabei kaum Einsatzzeit zu bekommen und dann auch noch verletzt rauszugehen, ist einfach extrem frustrierend.“
Welche Person oder Sportler inspiriert dich am meisten?
„Mein großer Bruder ist für mich eine große Inspiration, weil er konsequent seinen eigenen Weg geht. Er ist sehr ehrgeizig, arbeitet zielstrebig auf seine Ziele hin und zieht sein Ding durch. Daran kann man sich definitiv ein Beispiel nehmen.“
Warum hast du dich entschieden nach Sand zu wechseln?
„Schon in der Jugend hatte ich immer wieder die Möglichkeit, nach Sand zu wechseln, habe mich aber bewusst dagegen entschieden, weil ich so lange wie möglich bei den Jungs spielen wollte. Nachdem ich dann ein Jahr in der Frauen-Bezirksliga gespielt und 2023 mein Abitur gemacht hatte, war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, diesen Schritt zu gehen. Sand ist in unserer Region der einzige Verein, bei dem man auf einem höheren Niveau spielen kann, und für mich war von Beginn an klar, dass mein Ziel irgendwann die zweite Mannschaft sein sollte. Ich bin sehr froh, dass ich mich für den Wechsel entschieden habe, denn in Sand habe ich unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt, die mittlerweile zu meinen engsten Freunden zählen. Ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl. Auch wenn es für mich sportlich bisher nicht immer optimal lief – vor allem verletzungsbedingt musste ich immer wieder Pausen einlegen und habe dadurch zeitweise das nötige Selbstvertrauen vermisst. Trotzdem bin ich dankbar für diesen Schritt, denn es gab Phasen, in denen ich sogar darüber nachgedacht habe, mit dem Fußball aufzuhören. Umso mehr weiß ich es heute zu schätzen, diesen Weg gegangen zu sein.“
Hast du vor dem Training/Spiel ein bestimmtes Ritual?
„Ein richtiges Ritual habe ich eigentlich nicht, aber Musik zur Motivation darf vor keinem Spiel fehlen. Mittlerweile gehört auch dazu, dass die Haare vor jedem Spiel und Training richtig gestylt sein müssen.“
Beschreibe dein aktuelles Team in maximal zwei Sätzen.
„Ein junges Team, das sehr ehrgeizig und ambitioniert ist und auf dem Platz mit einem besonderen Zusammenhalt glänzt.“
Bild: SC Sand
